Sudan: Ein erstickter Schrei, auf den niemand achtgibt?
Verfasst von afrikablog am 25. Juni 2009
Vor fünf Jahren entbrannte in der südsudanesischen Region Darfur, die zum Bistum El Obeid gehört, ein mörderischer Konflikt unter Muslimen. Aber fast vergeblich versuchen Caritas Internationalis, der Ortbischof Antonio Menegazzo, ein Comboni-Missionar und verschiedene Hilfsorganisationen weltweit Hilfen für die von Gewalt und Not bedrohten Bewohner zu organisieren.
Der Konflikt im Krisengebiet uferte zu einer humanitären Krise auf, die nicht verbessert worden ist. Führende Vertreter der katholischen Kirche im Sudan, Caritas-Mitarbeiter und andere Helfer trafen sich deshalb zu einer zweitägigen Krisensitzung im Vatikan, die gestern zu Ende ging.
Für Bischof Eduardo Kussala aus Tombura Yambio steht fest: „Der Sudan steht vor ungeheuren Herausforderungen. Die humanitäre Krise wird immer größer. Dem Volk ist der Zugang zu Gesundheitsdiensten, Bildungseinrichtungen, Wasser und Schutz vor eskalierender Gewalt verwehrt.“
Nur die Caritas und die Kirchen ermöglichten gegenwärtig die Schulausbildung und die gesundheitliche Versorgung, berichtete der Bischof, der wirksamere Strategien für Hilfeleistungen fordert. Darfur – ein erstickter Schrei, auf den niemand achtgibt?
Rund 300.000 Kinder, Frauen und Männer sind nach aktuellen Zahlen der Vereinten Nationen seit Ausbruch der Kämpfe vor fünf Jahren gestorben. In der Region kämpfen die sudanesischen Streitkräfte zusammen mit Milizen gegen eine Vielzahl von Rebellengruppen. Die Gefechtslage wird seit Jahren immer unübersichtlicher. Caritas Internationalis schätzt, dass inzwischen 2,7 Millionen Menschen vor den Kämpfen geflohen sind. Die meisten drängen sich in erbärmlichen Lagern.
Der Tod kommt in Darfur auf vielen Wegen: Die Menschen sterben aufgrund der Gewalt, an Erschöpfung und weil sie keine ausreichende medizinische Versorgung finden. Oder sie verhungern. Das Welternährungsprogramm (WFP) musste aufgrund der regelrecht explodierenden Lebensmittelpreise Rationen kürzen oder ganze Missionen aufgeben. Das Regime in Karthoum verbaut letzte Chancen, wie etwa im März, als es Hilfsorganisationen den Einsatz in der Krisenregion verweigerte.
Die Caritas führt eines der größten Nothilfeprogramme in Süd- und West-Darfur durch: Mehr als 290.000 Menschen, die von dem Konflikt betroffen sind, werden unterstützt – und zwar sowohl Vertriebene als auch die Gemeinschaften, die sie aufnehmen und deren eigene Versorgungslage sich dadurch verschlechtert.
Ende Mai hatten die Angreifer laut Angaben der internationalen UN-Friedenstruppe den Stützpunkt Umm Baru im Sudan eingenommen. Bei den Angreifern handelt es sich vermutlich um die in der Region aktive Rebellengruppe „Bewegung für Gerechtigkeit und Gleichheit“ (JEM). Sie versucht, ganz Darfur und die Nachbarprovinz Kordofan unter ihre Kontrolle zu bringen. Der Tschad wiederum beschuldigt den Sudan, den Rebellen der Union der Widerstandsstreitkräfte (UFR) behilflich zu sein. Die UFR hat laut eigenen Angaben das Ziel, die tschadische Hauptstadt N’Djamena zu erobern.
Im Osttschad sind nach UN-Angaben 170.000 Menschen auf der Flucht; 250.000 Flüchtlinge aus Darfur kommen noch dazu. Die humanitäre Hilfe wird durch die andauernden Scharmützel in beiden Ländern massiv erschwert.